Praktikum

Es ist der vorletzte Schultag, als ich morgens die Tür öffne, um Maike aus Bedburg herein zu lassen, die sich dazu entschlossen hat, noch vor ihren Ferien, ein kurzes Praktikum in unsrer Tierarztpraxis zu machen. Viele Schülerinnen in ihrem Alter haben uns bei unserer Arbeit mit den großen und kleinen Tieren, deren Besitzern und ihren Sorgen und Nöten schon zugesehen. Bei uns müssen die „Damen“ schon sechzehn Jahre jung sein, um „dabei“ sein zu dürfen. Seit nunmehr 18 Jahren unterhalten wir nun schon unsere Praxis und geben Einblick in die Berufswelt von Tierarzt, medizinisch technischer Fachangestellten und allem, was so dazu gehört. Maike hat sich in ihrer Zeit tapfer gehalten. Da gilt es ebenso mit den aufgeregten „Zweibeinern“ klar zu kommen, die ihren Liebling zur jährlichen Impfung vorstellen, als auch diejenigen zu beruhigen, die ihren Patienten zu einem Eingriff für ein paar Stunden in unsere Obhut geben. Sie hat zugesehen, wie wir die Tiere untersuchen und behandeln, wie es ist, eine Narkose zu betreuen, die Atmung und den Kreislauf der Patienten während eines solchen Eingriffs zu beobachten und dem Chef den Schweiß von der Stirn zu wischen, wenn die Operation mal etwas kniffliger geworden ist, als erwartet.

Auf meine Frage hin, ob ihr es denn dabei gut gehe, bekommen ich stets die gleiche Antwort: „Nö, nö, ist schon O.K.“ Aber auch aufräumen und putzen gehört mit dazu. Hier das OP-Besteck für den „Steri“ fertig machen, oder auch mal das Blut aufwischen, als bei der Probenentnahme ein paar Tropfen daneben gehen. Maike ist erstaunt, dass trotz mancher hektischer Momente die Stimmung in unserem Team fast immer ruhig und ausgeglichen ist und das Liedchen, dass ihr Chef, bei der Entfernung des Zahnsteins einer Katze, vor sich hinträllert, lässt sie schmunzeln.

Als Praktikantin erlebt sie aber auch, dass nicht alle Momente im Alltag einer Praxis „lustig“ sind. Als eine Frau sich nach einer Urnenbestattung für ihren kleinen „Waldi“ erkundigt, erkennt sie, dass Medizin nicht immer „leicht“ ist und es wohl auch gilt die schwierigeren Momente im Leben von Vier- und Zweibeinern zu begleiten.

Wir finden, dass ein Berufspraktikum eine absolut sinnvolle Sache ist, um in das Leben nach der Schule hinein zu blicken. Und schon manche Schülerin hat uns in den Jahren gesagt, das die Zeit bei uns gut und aufschlussreich war, sie sich aber doch für eine andere Tätigkeit entscheiden wolle, da nicht alles so „schön“ ist, wie es uns die vielen „Doktor-Serien“ in Fernsehen und Internet glauben machen wollen.

Wir haben, bis auf ganz wenige Ausnahmen, gern die „Mädels“ begleitet, die davon träumen, in diesem Genre tätig zu werden. Eine von ihnen hat mittlerweile schon ihr praktisches Jahr, nach ihrem Studium der Humanmedizin, fast abgeschlossen und wir sich dann wohl in naher Zukunft als Kinderärztin nieder lassen. Vielleich hören wir von Maike mal ähnliches!  Infos: Praxis   Infos: Shop

Über Dr. Frank Apfel

Ich betreibe seit über 20 Jahren eine ganzheitlich ausgerichtete Kleintierpraxis in Rees, am Niederrhein.
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