Allergisches Geschehen I

„Allergien beim Tier?“

Vor einigen Tage besuchte mich eine Dame, die mich um Rat fragte, da ihr Hund, ausgetestet und somit nachgewiesen unter 18 Allergien leiden solle.

Nun, es trifft in der Tat zu, dass, in den letzten Jahren die Anzahl der Patienten mit sogenannten allergischen Symptomen zugenommen hat.
Ähnlich, wie beim Menschen stehen hier in der Regel der Juckreiz, Veränderungen der Haut und diverse Verdauungsprobleme im Vordergrund.
Ich weigere mich aber , zumindest beim Tier, immer sofort von Allergien zu reden!
Wie gesagt, allergische Symptome oder Unverträglichkeiten sind für mich eine bessere Beschreibung, denen die Schulmedizin, ebenso wie bei den Menschen, oft nur unzureichend begegnen und helfen kann.

Warum ich mich weigere von Allergien zu reden und diese Symptome als Krankheiten zu beschreiben, möchte ich ihnen in einer kleinen Reihe zum diesem Thema versuchen zu erläutern.

Das es sich hierbei auch um ein hochemotionales Thema handelt weiß jeder Tierbesitzer und Mensch, der an solchen Erscheinungen leidet. Oft ist es äußerst schwierig und nicht selten kaum Möglich die Ursache für diese Phänomene zu erkennen und diese ursächlich zu behandeln. Und sollten Unverträglichkeiten tatsächlich ausgetestet werden, so lautet der Befund nicht selten: Haustaubmilbe, Futtermilbe, Birkenpollen und ähnliches. Doch all dies sind vermeintliche Ursachen, die wir kaum abstellen können. Die sogenannten Desensibilisierungen zeigen leider nur selten die erhoffte Wirkung.
Häufig werden in diesem Zusammenhang auch die sogenannten Umwelt-einflüsse herangezogen, und bedauert, wie vergiftet alles ist. Pestizide, Gifte, einseitige Monokulturen, der Einsatz von Medikamenten und von Chemie in der Landwirtschaft, industriell hergestellte Lebensmittel, als diese Dinge haben ihren Stellenwert und machen es uns nicht leichter in unserem Bestreben einem Patienten helfen zu wollen.
Die, mehr oder weniger, erfolgreich ausgeübten Behandlungsverfahren, seien sie schulmedizinischer oder naturheilkundlicher Art, sollen und können hier nicht behandelt und beurteilt werden.
Hier ist vielmehr das Geschick und die Erfahrung des Behandelnden gefragt.

Ich möchte hier die Problematiken dieser allergischen Symptome von einer anderen Seite her angehen und beleuchten.
Uns allen ist bekannt, dass die Ursache nicht in den sogenannten Allergenen liegt, bei den Birkenpollen, der Haustaub- und der Futtermilbe. Denn all diese Faktoren waren schon vor uns da und werden auch immer da bleiben. Die Frage ist eher, warum machen es uns diese Stoffe das Leben so schwer. Warum kann es im schlimmsten Falle sogar zu lebensbedrohlichen Zwischenfällen kommen?
Wie und warum gelangen diese Substanzen in unseren Körper uns was stellen sie dort an?
Um dies etwas besser verstehen zu können hilft uns eine recht junge Forschungsrichtung, bei der sich die Wissenschaftler mit dem sogenannten „Microbiom“ beschäftigen.
Dazu müssen wir ein wenig ausholen. Schon seit langer Zeit ist bekannt, dass sich ein großer Teil unseres Immunsystems entlang des Darmes und er Verdauungsorgane befindet. Dies macht auch Sinn, da der Darm sozusagen auch „Körperoberfläche“ darstellt. Wir haben schon alle gehört, dass, sollte unser Verdauungssystem in seiner Gänze glatt auseinander gestrichen werden, es die Größe von einem bis mehrerer Fußballfelder einnehmen würde. Über die Dinge, die wir uns so in den Mund stecken hat dann unser Körper und der unserer Tiere eben Kontakt mit der Außenwelt und muss dieser trotzen und zum Beispiel den Angriffen von Bakterien, Viren oder Pilzen widerstehen. Und das machen wir ja auch schon seit vielen tausenden von Jahren.
Die Immunsysteme unserer Körper sind also in ihrer Entwicklung trainiert und hochwirksam. Doch warum haben dann immer mehr Tiere und Menschen diese Probleme, diese allergischen Symptome?
Es ist kein Geheimnis mehr, dass Probleme der Haut nahezu immer mit Faktoren der Verdauung und er entsprechenden Organe verbunden sind. Ein Sprichwort lautet zum Beispiel: „Ist der Darm gesund, ist der Mensch und auch das Tier gesund.“ Was uns sagen soll, dass wir in der Beurteilung unserer Patienten immer die Ernährung und ihre Entwicklung mit berücksichtigen müssen.
Sehr häufig, so ist es meine persönliche Meinung, liegt die Ursache der zu behandelnden Probleme in der Betreuung und Ernährung der jungen Tiere und Menschen. Doch dazu später mehr.
Zurück zum „Microbiom“. Dieses Wort soll uns beschreiben helfen, dass die Betrachtung des Patienten, seines Körpers nur ein Teil – ja sogar nur ein kleiner Teil der Problembehandlung erfassen kann.
Der Körper unserer Tiere, auch der von uns Menschen ist mit einer kaum beschreiblich großen Anzahl an Bakterien, den Microben besiedelt. Sicher, das mag so manchem von uns komisch und vielleicht auch ein bischen ekelig erscheinen. Doch dies ist so. Und auch diese Form des „Zusammenlebens“ hat sich in Jahrmillionen entwickelt.
Das geht sogar soweit, dass man erkannt hat, dass ein Teil unseres Erbgutes aus Bakterien – DNA, also Erbsubstanz bakteriellen Ursprungs beinhaltet.
Auch diese Vorstellung mag dem Einen und Anderen nicht unbedingt behagen.
Ist aber so. Und es geht noch weiter: Würden wir die Zellen unsere Körper zählen können, so kämen wir leicht auf eine Billion und mehr. Die Zahl der auf uns lebenden Organismen beträgt aber locker das Zahnfache. Manche Wissenschaftler sagen, dass wir Menschen allein nahezu zwei Kilogramm Darmbakterien mit uns herum tragen. Ein faszinierender Gedanke, oder?
Und auch diese Mikroorganismen haben Gene, haben eine Erbsubstanz. Und es kommt noch besser: Sie beeinflussen unser Leben, unsere Gene, ja können sogar unsere Stimmung und unser Verhalten verändern. Dies sind ganz neue Gedanken.
So müssen wir nicht nur im Zusammenhang von allergischen Geschehen an die Keimflora auf unseren Schleimhäuten denken. Wir müssen ebenso versuchen nachzuvollziehen welche Rolle sie spielt.
Ja, es ist wichtig, dass jeder Quadratmillimeter unseres Körpers besiedelt ist. Hierbei handelt es sich – zunächst – um gute Keime. Sie haben an ihrer Stelle ihren Platz eingenommen und leben auf uns, sind aber auch, in ihrer Zusammenstellung an unserer intakten Immunabwehr, sozusagen an unserm äußeren „Schutzschild“ beteiligt. Dafür, dass sie auf uns leben dürfen tun sie uns nichts. Ja sie „stehen“ sogar eng zusammen, damit die „Bösen“ eben nicht in uns eindringen und uns gefährden, also Krank machen können. Das macht ja auch Sinn: Sie „beschützen“ uns sozusagen, damit sie in Ruhe auf und in uns leben dürfen. Wir sind sozusagen das Hochhaus dieser Lebewesen.
Und erst, wenn diese Schutzschilde von den „Bösen“ überwunden werden können, wenn die reihen der Bakterien nicht mehr eng genug stehen, können diese Stoffe, Substanzen und Mikroorganismen in den Körper eindringen.
Voraussetzung für eine, wie auch immer geartete allergische Reaktion ist, dass es diesen sog. „Allergenen“ gelungen ist diese erste Abwehr zu überwinden und einzudringen. Aber auch in unserem Körper hat die Natur in ihrer Entwicklung eine Vielzahl an Kaskaden in der Immunabwehr entwickelt, die und dabei helfen diese ab zu wehren. Erst wenn diese Mechanismen nicht mehr oder nicht mehr richtig Reagieren können und etwas schief läuft, kommt es im weitern Kontakt mit diesen „Eindringlingen“ zu sogenannten allergischen Reaktionen.

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Über Dr. Frank Apfel

Ich betreibe seit über 20 Jahren eine ganzheitlich ausgerichtete Kleintierpraxis in Rees, am Niederrhein.
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